Dienstag, 12. Februar 2008

Schmetterling

Stirb Schmetterling, stirb


Kleines hilfloses Geschöpf,
kreischst schrill, schweigst still.
Friert's dich? Du frisst mich!
Träum von dir die ganze Nacht.


Schütze mich, pflege mich, hege mich.
Farbenfrohes Wesen, kleiner Akrobat.
Quält's dich? Du tötest mich.
Kraftloser Flattermann.

Stirb doch endlich, stirb.
Empfindliches Insektchen.
Flieg doch davon. Wenn du kannst.
Hasse dich, wein um dich.
Stirb Schmetterling, stirb.





Maren Kahl...

Montag, 26. November 2007

Einblick...

Für Alex und alle weitere die's sehen wollen eine spontane Sequenz...

Sonntag, 2. September 2007

Music when the Lights go out...

'N Freund hat mir kürzlich'n Video von Pete Doherty zugespielt.
Sehr unschön was darauf zu sehen ist.
Der Sänger der Libertines und der Babyshambles setzt sich zu seinen Bandmitgliedern in ein Interview, zu dem er erst einmal - Überraschung - 5 Minuten zu spät erscheint.
Was er dann tut, das muss ich zwar nich sagen, schießt aber meiner Meinung nach den abartigsten Vogel ab:
Er zieht aus seiner Jacke sein Spritzbesteck und spritzt - vor laufender Kamera wohlgemerkt - sein persönliches Heroin-Blut-Gemisch auf das Objektiv.
Ich weiß nicht was asozialer ist. Dass er sein eigenes Blut auf fremde Gegenstände rotzt oder dass er seine Band, die übrigens pünktlich erschienen ist, dermaßen ignorant vor der ganzen Welt in den Dreck zieht.
Der Kameramann hätte ihm gleich an Ort und Stelle eine auf's Maul geben sollen!
Und was man sonst so von ihm hört ließ meine Zuneigung und mein Interesse bisweilen auch nicht gerade größer werden.
Wird als Gründer aus seiner eigenen Band geschmissen, schweift hier und da mal gewalttätig aus wenn die Kameramänner wieder auftauchen. Sitzt ständig im Knast wegen neuen Drogenexzessen oder Ähnlichem...und diese Liste ließe sich fortführen.
Und wenn man ihn sich so anschaut, erkennt man unschwer, dass die Welt ihm gerade beim Sterben zusieht.

Jetzt schreibt Markus Kavka allerdings, Petes Band die Libertines und auch jetzt die Babyshambles seien die beste Musik, die England seit mehr als 10 Jahren passiert ist.

Okay!
Markus Kavka...ist ja nunmal nicht dumm, ne.
(Sein Buch mit seinen gesammelten Kolumnen kann man übrigens hier erwerben. Es lohnt sich!)

Habe mich also mal ausführlicher mit Pete Doherty auseinander gesetzt und seinen Erfolg ein wenig erforscht.
Dabei hab ich feststellen müssen, dass Pete ein unglaublich intelligenter und sensibler Kerl ist.
Wie lyrisch er die Tragik des Zusammenbruchs seiner Beziehungen umsetzt, hat mich bei solch einem abgefuckten Junkie dann doch beeindruckt.
P. Doherty wurde mit 17 Jahren vom British Council als Kulturbotschafter nach Russland geschickt und hat diverse Poesiewettbewerbe gewonnen.
Hier im folgenden Interview kann man sich die "Überreste seines Glanzes" ansehen.


Für seine angebliche Egozentrik wirkt er hier auf mich aber sehr ehrlich, reflektiert und einfühlvermögend.
Er spricht mit nicht einmal 30 Jahren über sein Leben, als wäre er eine 70-jährige Legende, ähnlich wie vielleicht ein Paul Mccartney oder so - bloß dass Paul Mccartney ein oberflächlicher Trottel ist.
Er scheint so viele Erfahrungen und Einsichten weitergeben zu können, wie sonst eben nur Männer, die sehr viel mehr Zeit hatten. Für gute Antworten muss er nicht überlegen. Obwohl er schwach wirkt, kann er sich verteidigen ohne vom Kern der Fragen abzuweichen und ohne zu zögern zieht er sich ein geiles Gedicht aus dem Ärmel.
Wird er auf seinen ehemaligen Bandkollegen Carl Barât angesprochen, der ihn rausgeworfen hat und mit dem er sich im Streit getrennt hat, schildert er abgeklärt und friedlich wie alles verlaufen ist und zeigt Respekt ihm gegenüber.

Pete hat meiner Meinung nach keinen Totalschaden, er wirkt auf mich einfach nur mitgenommen, enttäuscht und vor allem von der Interviewerin sehr unverstanden.

Nervig wie wenig Verständnis und Mitgefühl diese Frau mitbringt. Hat nicht gelernt das Leben zu Leben. Versteht es nicht, wenn man mehr will, als man kriegen kann und mehr geben will als man hat.
Auf ihre Anfrage singt Pete ihr ein Lied, dass ihr eigentlich die Seele aus dem Leibe reißen sollte, und sie sitzt unbeeindruckt da und hat keine Vorstellung davon, was Musik einem geben kann.

Pete hat mit 28 Jahren all seine Träume wahr werden lassen. Er schafft was er schaffen will und macht aus Scheiße Gold.
Er sitzt auf einem riesigen Berg Kohle und kann auf so viele Erfolge zurück blicken wie kaum ein Zweiter.

Ich meine was macht man wenn man alles erreicht hat? Wo will man da seiner Existenz noch 'ne Essenz herzaubern?
Man ist hier in diese Welt geschmissen, vollgepumpt mit den beschissensten Sehnsüchten und man hat nichts, wohin man damit gehen soll, oder womit man diese je freischalten könnte.
Wenn Du im Leben nichts mehr hast, was Dich beeindruckt oder reizt, wenn Du alles gesehen hast, all den Banalitäten entfliehen willst und Du Dein Können vor der Welt einfach für immer etabliert hast, was bleibt einem da?
Da greift man nunmal auf die Dinge zurück, die im Leben eben nur gegen den hohen Preis von Gefängnis oder Tod zu bekommen sind.

Ich persönlich habe jedenfalls großes Mitleid mit P. Doherty und wünsche ihm alles Gute.

Falls er die nächsten Jahre überlebt, kann er sich wegen mir aber gerne etwas in den Griff bekommen.

Ein neuer Stern...

...erstreckt sich am Himmel der Bloggerwelt.

Alex ist für 9 Monate in Guatemala und berichtet hier über sein Leben, seine Arbeit, das Essen, über Vögel - widerwärtiger als Tauben - die aussehen, als seien sie mit Fett eingerieben, über die Müllkippen und seine Chancen in die "Gang 18" aufgenommen zu werden.
Dafür allerdings muss er erst noch einen Menschen mit einem Messer töten...

Würden sie jeden nehmen, gäb es für Alex sicher auch keinen Reiz...

Montag, 25. Juni 2007

V for Violated Violin...

Tja, wer wollte nicht schon immer einmal gewissenlos etwas kulturell wertvolles zerstören, es einfach destruktiv einschmelzen, ohne jegliche Rücksicht auf all die Liebe und Handarbeit die in etwas gesteckt wurde? Mal über seinen eigenen Schatten springen und seinen Hemmungen und Idealen mit einer gewissen Respektlosigkeit begegnen, um eine (eigene) Tabu-Grenze zu überschreiten und einfach diese wenigen Sekunden zu genießen und sich dabei zuzusehen, wie man dabei empfindet...
Lasst dieses Video auf euch einwirken, seid entrüstet und sprecht kunsttheoretische, philosophische oder soziologische Kritik aus..!

Falls ihr Jungs von Apocalyptica das hier sehen solltet:
Fühlt euch bitte frei, das Videomaterial für kommerzielle Zwecke zu nutzen!

Sonntag, 24. Juni 2007

Ein bißchen Willkür...

Um noch mal eben beim Thema zu bleiben:
Es soll ja böse Zungen geben, die behaupten, ich hätte für mein Abi nichts getan...
Wir wollen es aber lieber formulieren wie Trógó:

Mein Abi sei ein Gesamtkunstwerk, das wir erst in vielen vielen Jahren in seinem gesamten Ausmaß begreifen werden :)

Hier im Anschluss (und auch zum Abschluss) noch die flüsternde Top-10 der „Die-Lehrer-standen-mir-niemals-im-Weg-Liste":

10. „Johannes Du musst in diesem Halbjahr mal ’ne Hausaufgabe abgeben, ich brauche irgendetwas worauf ich aufbauen kann, um Dir ne 4 geben zu können.“

9. „Ach Johannes, ich hab Dich jetzt 5 Jahre lang irgendwie durchgekriegt, glaubst Du ich versau mir das, indem ich Dir jetzt ’n Unterkurs gebe? Wir arbeiten doch zusammen…Ich bekomm das hin!“

8. „Jonny, ich habe solange gegrübelt wie ich das mit Deiner SoMiNo regeln soll.
Ich weiß genau, wenn ich Dir ne 4 gebe, schimpfst Du genau so über das System, wie wenn ich Dir ne 2 gebe. Wenn ich Dir gute Noten hinterherschmeiße, dann denkst Du ich will Dir Almosen geben, für die Du unfairerweise nichts getan hast. Wenn ich Dich schlecht bewerte, dann regst Du Dich über meine leistungsorientierte Handlung auf, die nichts mit Potential zu tun hat - was ich ja alles durchaus verstehen kann. Aber was ich mache, es wäre immer falsch – lass mich ausreden!
Wenn es also eh beim gleichen rauskommt, liegt die Entscheidung ja praktisch bei mir. Da entscheid ich mich aus persönlicher Zuneigung für Dich.
Du hattest mal im letzten Jahr ’ne gute Hausaufgabe abgegeben, die Dir für die Endzensur nichts mehr eingebracht hat. Ich häng irgendwie an Dir Johannes, ich nehm diese Hausaufgabe, zieh sie in dieses Quartal, dann haste Deine 3. Aber behalt’s für Dich…“

7. „Für die Mündliche Johannes…da lernst Du natürlich ALLES…was Du aber GANZ BESONDERS lernen wirst, das ist der Deutsche Bund von 1815 bis 1871, verstehen wir uns?“

6. „Nein Johannes…es gibt faule Schüler, denen geb ich echt die 5. Aber bei Dir….ich weiß es kotzt Dich alles an, Dich interessiert mein Unterricht nicht und Du willst einfach nur Dein Abitur. Du bist jetzt zwar zu keiner Klausur erschienen, aber im Unterricht warst Du ja meistens anwesend – dafür kriegste die 4. Ist ja schonmal mehr als im letzten Jahr! Ich will Dich da einfach nicht unnötig aufhalten. So bin ich nicht!
Aber im nächsten Jahr musst Du was tun!“

5. „Johannes sag mir was ich machen soll. Ich steh mit leeren Händen da.
Ich kann wenn Du willst den Kurs nächste Woche für Dich einen einfachen Multiple-Choice-Test schreiben lassen. Dann musst Du auch kein Referat mehr halten und kriegst trotzdem Deine 4. Aber dafür musst Du dann definitiv anwesend sein.“

4. „Wie kann ich denn den Unterricht ein bißchen auf Deine Interessen zuschneiden?
Ich hab gesehen Du malst…soll ich Dir mal ’ne Aufgabe geben, in der Du einfach was zeichnen sollst? Irgendwas shakespearmäßiges, etwas was mit den Unterrichtsinhalten zusamenhängt!“

3. „Hmm…schriftlich 3- und 80% Fehlstunden in meinem Kurs.
Das macht insgesamt ’ne 3+.“

(Zu diesem Punkt muss man dazu sagen, dass dies ein besonderer Kurs war, in dem ich mir einiges erlauben konnte. Mit einem Lehrer, der selbst nich genau wusste wie so ein Unterricht normalerweise funktioniert. Das wirkt ja hier, als wäre ich so ein sozial schwaches Kind, dass überall nur Schwierigkeiten hat und dem man Punkte für jede richtig geschriebene Überschrift schenkt…
Nein...die Götter meinten es einfach gut mit mir!)


2. „Mit Deinen 2 vollgeschriebenen Seiten hast Du nicht einmal 1/3 der vierstündigen Klausur gelöst. Ich gehe davon aus, dass Du die restlichen Aufgabenteile übersehen hast. Darum bewerte ich die Klausur nochmal ausreichend.“

1. „Was hälst Du davon, wenn wir den Nachschreibtermin ausfallen lassen und ich Dir einfach Deine 3 auf dem Zeugnis gewähre?“



Vielen Dank für das alles…


Ps: Frau B. sagte neulich zu mir: "Bei so vielen klugen Schwestern, ist es doch völlig klar, dass Du da mal ausbrechen und was anderes machen musst."

Ganz genau! Das ist der Grund für meine Leistungen! Was denkt Frau B. eigentlich, wie einfach ich gestrickt bin?!

Donnerstag, 21. Juni 2007

Résumé...

So, denke es ist an der Zeit mal wieder was von mir hören zu lassen.

Ich hatte ja vor gut einem Jahr versprochen, dass dieser blog hier richtig aufblühen würde, das Ganze ist dann jedoch leider nicht so üppig ausgefallen, wie ich es mir gewünscht hätte.
Habe die letzten Monate damit verbracht meine Zeit gut zu verschwenden, da konnte ich nicht allzu viel in diesen blog hier investieren.
Durch das Ende meiner Schulzeit ist da noch 'ne Menge an Frustration links und rechts liegen geblieben, da musste ich meinen blog nich mehr als Ventil nutzen, mich von all dem abzuheben.
Aber mein Drang mich mitzuteilen steigt wieder. Ja, ich fühle es ist wieder Zeit zu sublimieren!
Mich dünkt, auf diesen blog kommen wieder große Zeiten zu...

Die letzten Monate waren eine einzige Illusion:
Abitur, eine leicht psychedelisch angehauchte Abschlussfahrt, Zeugnisvergabe, Abschlussball, diverse Kurstreffen, viele Partys und mehr...

Strange, wie kollektive Selbstverherrlichung und ein plötzlich aus dem Nichts auftretendes Gemeinschaftsgefühl ausufern können.

Ich glaube das ganze begann so in den letzten 2 Wochen, in denen man im Allgemeinen noch zum Unterricht erschien.
Als absolut verbitterter und gefühlskalter Schüler konnte ich zu dem Zeitpunkt schon aus meiner Distanz heraus beobachten, wie sich eine Art "Prä-Nostalgie" unter Schülern und Lehrern zu entwickeln schien. Ganz subtil hat sich das Gefühl eingeschlichen, man hätte sich schon immer lieb gehabt und dies sei die großartigste Zeit gewesen, die man erlebt habe.
Auf einmal erinnerte man sich lediglich noch an die guten Dinge der letzten Jahre. Und im Nu war jeder Schüler Teil etwas großem Ganzen.
Es ist eine Art Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern ausgebrochen, das so vorher nie da war, und vermutlich auch nicht nocheinmal wiederkehren wird.
Nach dem Abschlussball verfiel die Stufe einer großen Depression, weil "all das" nun vorbei sein würde...
Mit "all das" meine ich die Welt, die einem die letzten Wochen vorgegaukelt wurde. Eine perfekte Welt, in der sich auf einmal jeder gut verstand und alle an einem Strang zogen. Und jeder denkt es sei 13 Jahre so gewesen.

Es wurden Abschiedgeschenke gemacht und Laudatios abgehalten.Und natürlich - wie sollte es auch anderes sein - musste auch jeder Kurslehrerbetonen, jener seiner Kurs wäre der schönste Kurs gewesen, den er bisher unterrichten durfte - so is diese Stufe eine weitere Stufe, die sich für etwas besondereres hält, als all die Jahrgänge zuvor. Wieso auch nicht...

So lag über die letzten Wochen irgendwie ein seltsamer, pinker Nebel, der auf einer gewissen Ebene einfach geleugnet wird...

In Wahrheit sieht die Sache dann doch so aus, dass man 13 Jahre lang kein Bock auf Schule hatte.
Kein Bock täglich routiniert robotten zu gehen.
Kein Bock auf Lehrer, denen man sich als Schüler bereits überlegen fühlt.
Kein Bock auf Fremdbestimmung.
Kein Bock auf vorgekaute Floskeln.....et cetera pp.

Und ich will gar nicht erst damit anfangen, wer wen in der „gemeinsamen Zeit“ alles hinterfotzig, intrigant oder sonst irgendetwas fand... :)

Mein persönliches Highlight der Abizeitung war der Kommentar einer Mitschülerin - welche mein Verständnis für Ironie offenbar teilt - über ihre Kollegen:

"Am Anfang der 11 dachte ich: Oh, mein Gott! Dann in der 12: Die sind ja doch ganz nett...Und in der 13 kam mir die Erleuchtung: Man muss sich ja nicht mit jedem gut verstehen!"

Gerade so konkret, dass sie ihrer kritischen Persönlichkeit noch Ausdruck verleiht, jedoch niemanden persönlich angreift und daß wiederum ich für die nächsten paar Sekunden verliebt bin…

Aber nicht abschweifen:
Ich habe die letzten Wochen im Unterricht so sehr darauf gewartet, dass ich mal langsam ein wenig wehmütig und nostalgisch werde, aber ich konnte mir nicht helfen: Selbst am Schluss ging es mir noch wie am ersten Tag auf den Sack, die Lippenbewegungen des Lehrers zu studieren, ohne akustisch auch nur ein Wort von dem aufzunehmen was er sagt…

Ich habe in den letzten 13 Jahren eigentlich nur gelernt, dass in mir kein Ehrgeiz steckt und das neu eingeführte Zentralabitur hat sich als eine riesengroße Scheiße offenbart, in der das Raster so grob angelegt ist, dass sogar jemand wie ich durchrutscht...

Zur Feier des Tages - und um nicht alles negativ aussehen zu lassen - hier noch einmal meine Danksagung, wie sie schon in der Abizeitung erschien:

Ich bedank mich bei Herrn Seinsch, Herrn Dr. Lakeit und Herrn Schürmann. Auch wenn ich oft nicht viel in Ihren Unterricht investierte, habe ich Ihnen doch zugehört und habe großen Respekt vor Ihnen. Ich finde Sie haben Haltung und hoffe, Sie werden niemals in Vergessenheit geraten!
Ähnliches gilt auch für Herrn Engel, Herrn Hoppe, Herrn Müller-Seisel und Frau Ficinus. Sie gehören zu den guten und ich werde mich an sie erinnern. Ich hoffe Ihre Persönlichkeiten gehen unter keiner räudigen Reform verloren.

Alles war dann also doch nicht so schlecht...
Gibt echt einige gute Leute mit denen ich so zu tun haben durfte.
Und insgesamt gab es auch wirklich einige coole Momente...

Ach, eigentlich ist es schade, dass das jetzt alles vorbei ist...Jetzt jeden Tag auf all die kleinen Freuden verzichten zu müssen, jetzt gerade wo alle so zusammengewachsen sind. Dieser Zusammenhalt war schon was besonderes!

Nein, jetzt bin ich dem pinken Nebel auch verfallen.
Will nur sagen, dass ich einige Leute vermissen werde…..und andere hingegen nicht.
Wie das eben so ist Johannes! oO
Eigentlich völlig überflüssig dieser Beitrag.
Ich hasse es Dinge zu schreiben, die schon so viele Leute vor mir geschrieben haben…
Nun denn, um mal zu einem Ende zu kommen, hier das (Un?)wichtigste:

Ich musste in keine Nachprüfung und mein Schnitt liegt bei 3,5.

Ein gutes Pferd springt eben nie höher als es muss…

Samstag, 2. Dezember 2006

Ein bißchen Respekt..

Ich hab mir im vergangenen Sommer ein Buch bei Amazon zugelegt.
Um genau zu sein habe ich mir da 'ne Menge an Büchern und Musik gekauft, in dieser Saison haben 'se an mir sicher über 250 Euro verdient, die Halsabschneider.
Aber an diese eine Bestellung kann ich mich besonders erinnern, da sie mir einen interessanten Gutschein bescherte - auch wenn er anfangs ein wenig unspektakulär wirken mochte.
Ich konnte mir nämlich bei VistaPrint einen Adress-stempel bestellen - und das für lau. Yey...!





Mir war nur nicht ganz klar, wo der Stempel dann zum Einsatz kommen sollte. Was hab ich davon wenn ich überall meine Adresse hinsetze? Karlshauser Weg 71...hmm...
Ich bin kein begehrter Geschäftsmann oder sowas und bei all den Stalkern dort draußen...man kennt ja die Geschichten.
Also wie sollte die Zeile des Stempels lauten? Was für eine Botschaft wollte ich der Welt gerne hinterlassen?
Die Alternavive kam dann recht schnell:






Jawoll! Der Stempel kam wenige Tage später an und ich fühlte gleich die Macht in meinen Händen, als ich den Stempel ausprobierte und ihn unter einen Zeitungsartikel über Gewaltspiele setzte.

Zack! Ausgemustert. Nichts mehr wert!

Und dann zog ich los!

Ich konnte alles stempeln was ich stempeln wollte. Bilder, Einrichtungen, Aussagen, Menschen....etc.
Wenn ich bei der Post vorbeikam und der Laden schon mittags um 13:00 Uhr dicht hatte, dann BAAAM - Ausgemustert.
Wenn mir jmd. 'n Spruch drückte, dann BAAAM - Ausgemustert. Schön auf die Stirn.
Ich stempelte nervige, vorlaute, falschliegende oder gescheiterte Leute.
Ich war praktisch der Richter über Ansehen und Versagen.
Wenn Kollegen i.d. Schule eine Klausur versauten, dann kamen sie freiwllig um ihn sich abzuholen. Selbstgeißelung!

Bei Streitfragen war ich die höhere Instanz die man aufsuchte. Dabei bedurfte der Stempel keiner Rechtfertigung - man machte um den Gestempelten einfach einen großen Bogen. Der Stempel hatte Autorität.
Hätte ja auch niemandem etwas genutzt, wenn er ihn mir abgenommen hätte - stand ja mein Name drüber und ich musterte sowieso alles und jeden der mir über'n Weg lief....
Ich war praktisch wie der junge Salomon, der den Streit zweier Frauen um ein Kind schlichtet, indem er droht, das Kind schlichtweg zu stempeln. Der Reiz an dem Kind wäre ruckzuck verflogen und die rechtmäßige Mutter hätte das Kind der anderen Frau überlassen wollen, um es nicht seiner Chancen zu berauben.
So würde die Wahrheit ans Licht kommen!

Zum Geburtstag von Alex habe ich einen neuen Stempel schicken lassen:



Schön sachlich...ja nicht von Emotionen verleiten lassen!
Ein wenig Ehrfurcht muss man sich verschaffen!

Letzte Woche hab ich meine Englischklausur wiederbekommen. Mein Stempel war darunter zu sehen.
Ich hatte meinen Lehrer ausgemustert. Oops.
Ich stempelte scheinbar alles! Ich merkte es schon gar nicht mehr. Die reinste Aussonderungsinflation. Irgendwann ist mein Urteil auch nichts mehr wert...

Neben meinem Stempel war ein neuer Stempel zu sehen. BAAAM!
Mein Lehrer hatte mich ausgemustert!



Einfach ausgedruckt und aufgeklebt - im gleichen Design und mit gleicher Satzstellung
Das war ein Schlag ins Gesicht.
Bisher hatte sich keiner aufgelehnt und mein Gewaltmonopol angefochten.

Endgültig auf den Boden der Tatsachen holte mich dann am Samstag Kristina zurück.
Folgendermaßen wurde ich einer Freundin vorgestellt:

"Das ist Jonny...Jonny hat einen Stempel. Da steht drauf blablabla.."

In dem Moment wusste ich, ich hatte übertrieben.
Ohne meinen Stempel bin ich nichts!

Eigentlich hatte ich vor mir einen Pistolengürtel anzulegen in denen in den Stempel hänge. Sobald meine Hand zur Tasche wandert, macht jeder einen Schritt zurück (in meinem Kopf waren es auch gerne mal ein paar Schritte mehr).

Im Moment plane ich nur noch einen Stempel-Amoklauf über den Schulhof. Jede Stirn muss einen bekommen. Und alle laufen sie in Panik davon...

Ernsthaft:
Mein erster ernster Vorsatz für's kommende Jahr ist es, den Stempel gezielter einzusetzen.
Jetzt weiß ich ja auch wie es sich anfühlt...

Sonntag, 26. November 2006

Feuilleton...


Hier ein weiteres, brandneues Interview mit dem sehr geschätzten Harald Schmidt.
Wie immer scheint er sich seiner Qualitäten mehr als nur bewusst zu sein, und behält das auch nicht gerade für sich, aber solange er sie ausspielt kann er's sich meiner Meinung nach auch leisten ein wenig Selbstgerechtigkeit zu üben - das Interview ist zumindest lesenwert!

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Sonntag, 22. Oktober 2006

Nachtrag...

Ich muss nochmal auf meinen gestrigen Beitrag zurück kommen, in dem ich unter anderem auch von Fräulein X. berichtet habe.

Der Buchstabe X. war dabei frei gewählt...

Ich glaube selbst Lehrer, denen ihr Job riesig Freude bereitet (und das können eigentlich nicht allzu viele sein), hassen einen Teil ihrer Arbeit ganz besonders. Nämlich das Benoten und das Korrigieren von Klausuren. Das frisst ja Unmengen an Zeit, ist anstrengend und Kompetenzen werden dabei schonmal gar nicht beansprucht! Ist warscheinlich sehr frustrierend!
Besonders wenn man in jeder der 30 anstehenden Klausuren dieselben langweiligen Floskeln lesen muss.
Ich stelle mir dabei einen Lehrer vor, der unglaubliche Freude daran hat Unterricht vorzubereiten, Lernmethoden zu planen, sich Projekte auszudenken, Schüler gezielt und individuell zu fördern, Kontakt mit ihnen aufzubauen, eigene Erfahrungen weiterzugeben, zu helfen und einfach zu lehren. Und am Ende sieht es i. d. Realität so aus, dass er seine meisten Arbeitsstunden mit der unangenehmsten aller Aufgaben verbringt - dem Korrigieren.
Für die positiven Aufgaben bleibt dann einfach keine Zeit und auch keine Energie mehr.
Ist sicher auch keine schöne Erfahrung für die jungen Referendare, die ja immer meinen sie würden die Welt verändern sobald sie ihr Examen hinter sich gebracht haben...

Aber dieses Problem müsste man doch eigentlich lösen können. Zumindest zum Korrigieren von Englischklausuren beispielsweise, muss man doch im Grunde keine jahrelange Ausbildung hinter sich haben. Da reicht ein Grundstudium. Das können Studenten auch.
Grammatik - , Zeit - und Sprachfehler könnte der Student korrigieren, die Benotung und den Inhalt macht der Fachlehrer. Dabei verdient der Student sich ein paar Mark...oder vielleicht ein arbeitsloser Lehrer - gibt es sowas noch?
Der hauptamtliche Lehrer würde sich locker 60 - 70% der Arbeit sparen und trotzdem Einblick in die Fähigkeiten der Schüler bekommen, da er ja die angestrichenen Rechtschreibfehler trotzdem sieht und sie dann in die Bewertung mit einbeziehen kann. Der Student muss nicht wissen, welcher Schüler Legastheniker ist oder sonst eine Extrawurst erhält, er wäre ja nur für das Formelle zuständig. Der Lehrer übernähme die Auswertung.
Naja vielleicht habe ich diesen Verbesserungsvorschlag nicht ganz durchdacht, aber für mich macht's Sinn...
Bei einem Pauschallohn von vielleicht 50-100 Euro, je nach Jahrgangsstufe und Anzahl der Klausuren, sollte es eigentlich genug Studenten geben, die da nicht nein sagen.
Besser als Regale einräumen...

Samstag, 21. Oktober 2006

Ich melde mich mal wieder...

Eieiei, meine müßigen & schlafbringenden Ferien sind vorbei und jetzt geh ich bereits seit einer Woche wieder in die Schule. Herrlich...
Jetzt kann ich endlich wieder der gesellschaftlichen Aufgabe nachgehen, nach Wissen und Bildung zu streben, mich zu einer kritischen Persönlichkeit heranreifen zu sehen.
Ich kann rückblickend für diese Woche eigentlich schon sagen, dass ich in diesem System wieder hervorragend aufgeblüht bin und auch meine "Mitstreiter" haben ihre Arbeit wieder, wie gewohnt, gut gemacht.

Philip kommt Montags morgens eine halbe Stunde zu spät zum Unterricht und bezahlt in der darauffolgenden Stunde fast 10 Euro an Frau H. für ein Buch dass er nicht nur weder erhalten noch jemals gesehen hat, sondern auch niemals bestellt hat. 'Dachte ich hätte es gekauft und direkt verloren.'
...Ist ja auch das naheliegendste auf einer Schule, wo die Bücher eh nicht gelesen und noch in Folie eingeschweißt wieder ausgehändigt werden. Vielleicht kann man das aber auch nur auf meinen engsten Freundeskreis beziehen.

Marian meldet sich Montags in der 5. Stunde zu Geschichte im Unterricht und erklärt, dass er gerade aus Kanada käme.

In Hebräisch sind wir mittlerweile auf Seite 116.
Als ich das letzte mal dort gewesen bin, waren wir noch irgendwo in den 70ern.....(und selbst das war schon erschreckend!)

Fräulein X. hat die Klausuren nach den Ferien immer noch nicht korrigiert und verspricht, diese in der nächsten Stunde mitzubringen.
"In der nächsten Stunde mitbringen" ist wülfrather Oberstufenslang und heißt für die Opposition "Bis zur nächsten Stunde erledige ich diese Aufgabe wieder nicht und weil ich mich dem nicht stellen will, werde ich nicht kommen."
Also am nächsten Morgen erstmal mit bestem Gewissen ausschlafen.
Wenn man es denn auch dann noch schafft, zu lange zu schlafen, ist das auch nicht schlimm. Man meldet sich beispielsweise in SoWi bei seinem Fachlehrer, setzt sich auf seinen Platz zu den anderen und verbringt seine Zeit (wie auch in den Wochen davor) damit, Kreuzworträtsel bezüglich der deutschen Wirtschaft auszufüllen. Brilliant Herr Y.! Hat Sie sicher Jahre gekostet, diese Didaktik zu verinnerlichen!

Aber ich will mich nicht beklagen - ich bin ja auch nur ein "Motzknochen", wie Herr MS. behauptet.... :)

Am empfindlichsten reagieren die Lehrer, wenn es darum geht SoMiNos zu verteilen, wo ich in den meisten Fächern nicht über die 5 hinauskomme.
SoMiNos sind Mitleidspunkte und haben nichts mit Potential zu tun. Das ist nur 'ne Sache des Fleißes...
Eine Sache für emsige Arbeiterbienchen...!
Ist schon traurig, wenn Leute regelmäßig über 10 Punkte im schriftlichen Bereich absahnen, als Endnote dann aber bestenfalls 6 oder 7 Punkte bekommen, weil sie mündlich keine Leistung erbingen (wollen), während andere mehr Punkte vorweisen können, obwohl sie schriftlich nicht mal 3 stehen.
Wenn Lehrer dann tatsächlich der Meinung sind, man habe nichts drauf, nur weil man sich nicht für jede Scheiße meldet, die einem eigentlich ins eine Ohr rein und aus'm anderen wieder raus gehe sollte...dann verliert man halt auch schon mal den Respekt.
Tut mir leid Frau O., aber glauben Sie dass es Respekt vom Himmel regnet?

Ab nächster Woche werden wir im Deutsch-LK die Kommasetzung üben.
Bin mal gespannt was da wieder schiefgelaufen ist, dass man den durchgekauten Mist wieder ausgraben muss.
Da kann man sich sicher wieder beim Kultusministerium in Düsseldorf bedanken. Ich denke wenn es um das Ministerium geht, sind sich sowohl Schüler als auch Lehrer einig...

Es ist immer erstaunlich wie nahtlos man da anknüpfen kann, wo man vor den Ferien abgeschlossen hat.
Es dauert nicht einmal 5 Minuten, schon verfällt man dem alten Trott und es ist, als wären die Ferien nie gewesen.

Montag, 25. September 2006

Wir nähern uns dem letzten Akt....

So, ich denke es ist nun Zeit, das Ende einer Ära einzuläuten. Dies ist die Todesanzeige für Dee L. Prashion. Ich habe ihn enthauptet.
Es musste sein (nicht nur wegen den miesen Quoten).
Er war tapfer und hat diese Bürde würdevoll getragen.
Die Cartoonserie ist somit beendet. Die erste Folge habe ich im Dezember 2005 veröffentlicht und in den darauffolgenden Monaten kann man sich die anderen 8 Episoden ansehen.

Es tut mir leid Prashion. Ich denke jeder von uns hat einen ganz besonderen Platz für Dich in seinem Herzen und wenn Du mal ganz ehrlich zu Dir selber bist: Dein Leben war doch auch nicht wirklich lebenswert, oder?

Hier die ersten Statements von Presse, Prominenz und anderen Zeitgenossen:

Marylin Manson: 'He was a man of honor!'

Kurt Cobain: 'If you die you're completely happy and your soul somewhere lives on. I'm not afraid of dying. Total peace after death, becoming someone else is the best hope I've got.'

Britney Spears: 'Ich bin immer für die Todesstrafe. Wer gewisse Dinge getan hat muss eine entsprechende Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste mal!'

The New York Times: 'The Phantom of the opera is dead!'

Bender: 'BITE MY SHINY 'BLACKMETAL' ASS!!!'

Yngwie Malmsteen: 'My new song is dedicated to this little fellow. It's called 'Flamenco Dee-Abolo'...

Ozzy Osbourne: 'His life was a hopeless fight against the mainstream. He ridiculed himself. I think one can take a leaf out of his book!'

James Hetfield: 'All you need in life is a sick mind and someone to share it with. This is a great loss and nothing else matters.'

Nietzsche: 'In heaven all the interesting people are missing.'

Papst Benedikt: 'Er war nun mal vom anderen Ufer!'

Der Autor selbst: 'Ich werde mich hierzu nicht äußern!'

Prashion's letzte Worte vor seiner Enthauptung:

"Wenn man das Herz am rechten Fleck hat, spielt es keine Rolle, wo der Kopf ist."

Rest in Peace...

(Diesen Beitrag widme ich Don Juan de Marco. Er hat es verdient....)

Dienstag, 19. September 2006

Ein Klagelied...

Liebes Tagebuch,
Vor einigen Wochen hat mich eine Freundin (die Nora) auf eine sehr interessante Möglichkeit aufmerksam gemacht, wie ich in kürzester Zeit an eine Menge Kohle rankäme. Es ging um eine Anzeige von "Profil" - dem Institut für Stoffwechselforschung:

"Diabetiker werden gesucht. Aufwandsentschädigung bis zu 6600 Euro"

Habe mich natürlich sofort angemeldet und als Proband beworben. "Profil" ist ein Forschungszentrum in Neuss, dass regelmäßig klinische Studien zur Entwicklung von neuen Medikamenten und Substanzen im Bereich Diabetes durchführt.
Im Bewerbungsbogen musste ich neben den üblichen Personalien hauptsächlich Daten bezüglich meiner Gesundheit machen. Gewicht, Größe, diverse Blutwerte und den Kram den ich so konsumiere. Auf jeden Fall wurde ich genommen und in die Profil-Datenbank eingetragen. Ich war also tauglich (durch die eigentliche Untauglichkeit die mich bereits vorm Bund rettete).
Ein paar Tage später hat mich dann ein Anruf dieses Ladens erreicht und mir wurde mitgeteilt, dass mein Profil auf eines ihrer Experimente passen würde.
Es liefen wohl auch andere Studien, für die senile, alte Männer gesucht wurden, welche sich am Tag wenigstens 80 Zigaretten durchziehen und keine Beine mehr haben. Aber mein Profil war ja anders...!
Man brauchte mich für einen ambulanten und für 3 stationäre Aufenthalte von je zweieinhalb Tagen. 30 Stunden wär ich jeweils an eine Maschine angeschlossen worden, die mir den Blutzucker reguliert und den Rest der Zeit hätte man nur zur Beobachtung gebraucht. Knapp viereinhalbtausend Euro wären für mich drin gewesen.
Ich mein was sind schon aufgerundet 10 Tage, wenn ich dafür als Schüler aufgerundet 5000 Euro klar machen kann?
Vor allem, wenn ich mich die komplette Zeit über frei bewegen, Besuch empfangen und mich im Grunde beschäftigen kann wie ich es will. Ich würde einfach lesen oder so. Nur eben mit den Kanülen im Arm.
Ich hatte es mir schon genau ausgemalt: Einen riesigen Stapel an neuen Klamotten wollte ich mir holen. Musik, Bücher und vielleicht 'ne neue anständige Anlage. Und ich wäre von meinem Schuldenberg runter...
naja, zumindest aus dem Gröbsten raus... :) (Nein, so verschuldet bin ich dann doch nicht, ich scherze nur - Haha).
Um das Geld "einzuweihen", würde ich erstmal für 100 Euro essen gehen. Vielleicht im Fernsehturm in Düsseldorf. Soll sehr gut sein.
Ich hätte Nora als Dankeschön für ihre Aufmerksamkeit einladen können. (Ein Urlaub wär doch angebrachter, kam uns dann in den Sinn.)
Ich hätte ein Leben in Saus und Braus geführt und ich hätte es verdient.
Ich habe alles Erdenkliche in die Wege geleitet um das Ganze zu verwirklichen. Ich war bei meiner Ärztin, die die beiden Gründer dieser Einrichtung persönlich kennt und habe mich erkundigt. Das Profil sei wohl 'ne ganz seriöse Sache, bei der nichts passieren könne. Sämtliche internationalen, pharmazeutischen Unternehmen seien dort Kunde und die Bezahlung sei auch gut (was ja für mich nicht neu war).
Außerdem bin ich bei der Direktorin meiner Schule gewesen um das Problem der anfallenden Fehlstunden zu lösen. Normalerweise hätte ich 'scheiß drauf' gesagt, 'als ob ich was verpassen würde', aber da dies nicht das erste mal gewesen wäre, dass ich mir sowas sage und ich Attestpflicht habe, musste ich mich eben darum kümmern. Ich bin also bei Frau W. gewesen und hab ihr den Antrag ihres Lebens abgeliefert. Sprachlich sowie inhaltlich ein Musterbeispiel an Sauberkeit und Wortgewandtheit. Von Geld und Aufwandsentschädigung war darin nicht die Rede. Ich habe ihr geschildert wie ich an Laborwerte gelangen würde, die ich sonst nicht erhielte. Was dieses Projekt für eine einzigartige Möglichkeit für mich bietet. Außerdem wollte ich die Forschung ja aktiv, zum Wohle anderer Diabetiker unterstützen. Ich hätte meinen ganz persönlichen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung geleistet und einen Meilenstein in Bezug auf neue therapeutische Möglichkeiten gesetzt. Ich hätte einfach was Gutes getan und das lies ich Frau W. wissen. Ich habe ihr all die Dinge aufgezählt, für die ich in einem amerikanischen B-Movie wahrscheinlich geehrt worden wäre, wenn ich bei dieser Mission umgekommen gefallen wäre.
Fand Frau W. dann auch genauso vorbildlich wie ich. Schließlich hätte ich während der Studie mehr als genug Zeit gehabt, um den versäumten Unterricht wieder aufzuarbeiten. Sehr heuchlerisch von mir, ich weiß aber für mehr als 4000 € tut man doch so einiges, oder um es im Fachjargon auszudrücken: Da scheiß ich auch mal auf meine Ideale...
Jedenfalls lief bis zu diesem Zeitpunkt alles nach Plan.
Bis mich dann ein erneuter Anruf ereilte, bei dem man mir mitteilte, dass die Studienphasen um ein paar Tage verschoben werden. Sonst ändere sich nichts.
War ziemlich ärgerlich. Ich wartete den ganzen Tag auf diesen Anruf, um noch die letzten paar Dinge zu organisieren und die genaue Uhrzeit für die Voruntersuchung auszuhandeln (wollte dort nicht allzu früh am Morgen auftauchen). Und dann sowas. Ich konnte an den anderen Tagen nicht, ich musste Klausuren schreiben. Klasse.

'Tut uns leid wegen der Unannehmlichkeiten, die sie wegen dieses Projektes schon in Kauf nehmen mussten. Vielleicht klappt es für Sie bei einem der kommenden Projekte, uns zu unterstützen.'

Unterstützen! Pah! Jetzt fang Du nicht auch noch an...

'Ich gehöre für gewöhnlich wirklich nicht zu der Sorte Mensch, die sich gerne überschwenglichen Rachegefühlen hingibt.
Wenn man aber das Profilinstitut in einer Person manifestieren könnte, und diese Person jämmerlich verrecken würde, so würde ich mit unendlicher Genugtuung auf deren Grab tanzen.' (Screwtape's)

Kann man aber nicht...also warte ich auf den nächsten Anruf!